„Häuser schauen“ im Brauquartier Puntigam

Das Haus der Architektur lud gemeinsam mit dem Architektenbüro Scherr & Fürnschuß sowie der STO zum Häuser schauen ins Brauquartier.

Das Brauquartier ist ein Vorzeigeprojekt in jedem Sinne und schön langsam kann man auch ein Ende der noch bis 2020 dauernden Arbeiten absehen. – Neben dem Bauabschnitt 2 sind mittlerweile auch die Wohnungen im Bauabschnitt 1 und 5 bezogen.

Beim heutigen Rundgang sind einige neue Fotos entstanden die am Ende unserer Fotogalerie zu finden sind, viel Spaß auch beim Durchklicken der historischen Bilder.

40 Jahre Baureihe 500

In der Nacht vom 21. zum 22.12.1977 wurde der erste Triebwagen der Grazer Baureihe 500 vom SGP-Werk in Graz über die Gleise der Graz-Köflacher-Bahn auf das Netz der Grazer Verkehrsbetriebe überstellt. Damit landete der erste achtachsige Einmanngelenktriebwagen noch im Jahr vor dem 100-jährigen Bestehen der Tramway in Graz.

Am GKB Gelände ©styria-mobile/Fotograf02 21/22.12.1977

Die Ausgangssituation stellte sich damals für die Stadt bzw. die Grazer Verkehrsbetriebe so dar, dass der Wagenpark aus 35 Garnituren der Baureihe 200 mit schaffnerlosen Beiwagen, dazu noch 12 Solotriebwagen der Baureihe (inkl. 251 und 252) sowie den 23 Einmanngelenktriebwagen der Baureihe 260 bestand. Eine Modernisierung des Fuhrparks war dringend erforderlich, was auch von seiten der Behörde durchaus erwünscht war.
Daher entschloss man sich trotz der finanziell angespannten Lage, die in Graz scheinbar „standard“ ist, zum Kauf von zehn achtachsigen Gelenktriebwagen der Type „Mannheim“ äquivalent zu den sechsachsigen Triebwagen der Wiener Baureihe E2 bzw. E 6 bei Simmering-Graz-Pauker.
Der Grazer Triebwagen 501 war somit der erste „Mannheimer“ Wagen in Österreich. Diese Düwag Type wurde nach der Stadt am Rhein benannt, da dort 1969 die ersten derartigen Fahrzeuge unterwegs waren. Ferner waren Straßen- bzw. Stadtbahnen mit diesem Design in Deutschland auch in Duisburg, Düsseldorf, Braunschweig und Augsburg zu finden, wovon Erstere von 1989 bis 2015 auch bei uns in Graz im Fahrgasteinsatz standen.
Leider beschaffte man damals für Graz nur zehn neue Achtachser, was zum Ersetzen der Triebwagengarnituren aus Holz bei weitem nicht ausreichte. Dafür hätte man mindestens zwei Dutzend Fahrzeuge benötigt.
Letzlich wurde dadurch jedoch der Kauf der gebrauchten Fahrzeuge aus Wuppertal bzw. Duisburg erforderlich, was schließlich zur großen Typenvielfalt bei der Grazer Straßenbahn führte.

In der Nacht vom 21. zum 22.12.1977 wurden die Gleise der Grazer Verkehrsbetriebe mit jenen der GKB mittels Auflegegleisen in der Eggenbergerstraße verbunden. Dies passierte dort wo sich heute der Gebäudekomplex von PVA bzw. A&O Hostel befindet. Der 1939 gebraucht aus Mettmann beschaffte Triebwagen 134 war an diesem Tag als Arbeitswagen eingeteilt, um die Gleise zum Einsatzort in der Eggenbergerstraße zu transportieren. Dieser Triebwagen hat übrigens Mitte der 1970er Jahre als erster Arbeitstriebwagen in Graz eine orangefarbene Warn-Lackierung erhalten. Am SGP- und GKB-Gelände war eine Werkslokomotive der SGP für den Transport der neuen Straßenbahn zuständig.
Nachdem sich der neue Wagen am Auflegegleis befand, wurde er von dort mit dem sechsachsigen Triebwagen 280 in die Remise Alte Poststraße gebracht.

TW 280 wartet in der Eggenbergerstraße auf TW 501 ©styria-mobile/Fotograf02 21/22.12.1977

Die neuen Achtachser erhielten zuerst die Betriebsnummern 1-10, wobei der 10. Wagen im Rahmen der Feierlichkeiten „850 Jahre Graz“ eine Sonderausstattung – getönte Scheiben, gepolsterte Sitze sowie Teppichboden – erhielt und daher einige Jahre mit der Betriebsnummer 850 verkehrte. Im Wageninneren konnte man alte Ansichten der Grazer Straßenbahn finden, die sich zum Teil bis heute gehalten haben.
Ende der 80er-Jahre wurden die Fahrzeuge dann augenscheinlich mit den zuvor nur internen Betriebsnummern 501 – 510 versehen.

Abgesehen vom sechsachsigen Triebwagen 283, der 1966 bereits „schaffnerlos“ geliefert wurde, waren dies die ersten Grazer Trams, die ab Werk als Einmanngelenktriebwagen (ohne Schaffnerplatz) ausgeliefert wurden. Die Triebwagen 1, 2 und 3 wurden anfangs sogar mit Fahrscheinautomaten ausgestattet. Diese funktionierten jedoch nicht zuverlässig und wurden wieder ausgebaut. Schließlich sollte es noch bis April 2010 dauern, ehe der Fahrkartenverkauf durch das Fahrpersonal eingestellt wurde.

Einige Wagen waren damals sogar noch auf der alten Strecke nach Puntigam unterwegs. – Diese wurde 1979 bekanntlich am Ostrand der nunmehr vierspurigen Triesterstraße neu errichtet. Bremsprobefahrten wurden bereits damals auf diesem Streckenast durchgeführt, wie die folgenden Bilder vom 15. Jänner 1978 beweisen. – An diesem Tag war TW (50)1 noch ohne Nummer unterwegs, was jedoch bis 10. Februar 1978 keine Rolle spielte, da er der einzige seiner Art war.

Bremsprobefahrt TW 501 nach Puntigam auf der alten Strecke ©styria-mobile/Fotograf02 15.01.1978


Technisch waren die Straßenbahnwagen damals am neuesten Stand:

Im Gegensatz zu den Wiener Verkehrsbetrieben, die die E2-Triebwagen mit der Kiepmatic Steuerung bestellten, setzten die Grazer Verkehrsbetriebe auf die damals neue Thyristor-Gleichstromsteller-Steuerung. Der erste Straßenbahnwagen in Europa mit so einer Steuerung war der Grazer Triebwagen 262, der 1971 testhalber eine solche Steuerung erhielt und bis zuletzt damit unterwegs war. (Seit 1999 als Arbeitswagen). Auch die ab 1989 gebraucht aus Duisburg beschafften Fahrzeuge verfügen „nur“ über eine Geamatic-Steuerung.
Die Clouth-Federung führte zu besseren Rolleigenschaften und die ausfahrbaren Trittstufen bei den lichtschrankenüberwachten Doppelfalttüren zum besseren Einsteigen.
Die Fahrzielanzeige erfolgte mittels elektrisch gesteuertem „Broseband“ vorne, hinten und zwei Anzeigen auf der Türseite. Die beiden letztgenannten verfügten auch über Innenanzeigen mit „Perlschnur“ der jeweils befahrenen Linie. Die seitlichen Bänder wurden jedoch Anfang der 1990er-Jahre stillgelegt.
Nach der Jahrtausendwende wurden vorne sowie seitlich Matrixanzeigen (türseitig mit Linie und Fahrziel, auf der türlosen Seite hinter dem Fenster nur mit Liniennummer) und im Wageninneren FGI-Monitore eingebaut.

1976 mit Inbetriebnahme der neuen Funkleitstelle wurden 13 zweiachsige Triebwagengarnituren mit dem sogenannten Ortscode-System ausgerüstet (eine Art Vorläufermodell eines RBL zum Orten der Fahrzeuge mittels stationär entlang einer Linie angebrachten Empfängern).
Durch dieses System war es den Disponenten möglich, besser auf Störungen zu reagieren bzw. Konvoibildungen zu vermeiden.
Mit Inbetriebnahme der neuen achtachsigen Triebwagen wurden diese Geräte auf die zehn neuen Wagen umgebaut. Neben den zehn 500ern erhielten in weiterer Folge aufgrund der Abstellung der Holzfahrzeuge die EGTW 261, 262 und 263 die restlichen drei Ortscode-Geräte. – Ab 1990 waren dann die ehemaligen Duisburger 521, 522 und 523 damit unterwegs.

Seit 20. Jänner 1978 steht Triebwagen 501 im Linieneinsatz. Die Wagen waren in der ersten Zeit hauptsächlich auf der Linie 4 und danach eigentlich bis zur Jahrtausendwende fast ausschließlich auf der Linie 7 im Einsatz, was neben der viel höheren Anzahl an Fahrgästen auch dadurch erklärlich ist, dass nur die Linie 7 mit den oben erwähnten Ortscode-Empfängern ausgestattet war.
Die einzigen Ausnahmen damals waren – neben Einsätzen zu Allerheiligen auf den Linien 6 und 15 – Sonntagseinsätze auf der Linie 3 ab Mitte der 80er – um dem großen abendlichen Fahrgastaufkommen am Hauptbahnhof gerecht zu werden. Von 1987 – 2000 sind zwei Triebwagen im Abendverkehr von der Linie 7 auf die Linie 14 übergegangen, was natürlich auch meist 500er waren. In den 1990er Jahren gab es sonntags auch einen 500er-Kurs auf der Linie 4 und manchmal Einsätze auf der Linie 5. Nach Mariatrost kamen die Wagen damals meist nur als Fahrschule.
Seit 2001 (Indienststellung der Cityrunner) werden die Grazer Achtachser freizügig auf allen Linien eingesetzt.

Die Lieferung und Inbetriebnahme aller zehn Fahrzeuge im Linienverkehr erfolgte innerhalb eines Jahres ab der Lieferung von TW 501. Ab 20.12.1978 wurde TW 509 für den Linienverkehr freigegeben.

Ab den 1980er-Jahren wurden die Fahrzeuge auch für Totalwerbungen herangezogen, wobei vorerst Front und Heck jeweils in der Standardlackierung verblieben. Erst ab Beginn der 1990er hat man die Fahrzeuge zur Gänze mit der Hauptfarbe lackiert und ergänzend beklebt.
Triebwagen 502 trug die Werbung für einen Grazer Eissalon mehr als zwanzig Jahre. Dieser Triebwagen war auch der bislang letzte dieser Baureihe mit einer Totalwerbung (Integrazion).

Ausblick:

Dieser Baureihe könnte noch ein längerer Bestand im Wagenpark der Graz Linien beschert sein. TW 504 wurde bereits mit einer neuen Chopper-Steuerung ausgestattet und wird hoffentlich bald wieder im Linienverkehr zu sehen sein. Zumindest fünf weitere Triebwagen sollen ebenfalls modernisiert werden. Wir bleiben dabei für Euch natürlich am Laufenden.

Zum Diskussionsthread im Forum…


Viel Spaß beim Durchklicken der Bildergalerie….

Regiobahn Erlebniszug GmbH meets Stainzerbahn

Am 28.05.2017 war die 2050 009 der Regiobahn ErlebnisZug GmbH bei uns in der Steiermark zu Gast. – Nachdem die 1110 505 den Sonderzug aus Mistelbach nach Graz brachte, hatte die 2050 die Ehre alle Reisenden über die Strecke der GKB – Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH sicher nach Preding-Wieselsdorf und nach dem Besuch des Festes 125 Jahre Stainzerabahn wieder zurück nach Graz zu bringen.
Höhepunkt war zweifelsohne die Doppelausfahrt der 764.411R der Stainzerbahn und der 2050 009 aus dem Bahnhof Preding-.Wieselsdorf. 

Viel Spaß mit den Bildern 🙂